Nach einem wunderbaren Konzert in einem kleinen Park im 18. und einem Ausflug in die Massenkultur an der Bastille, finden wir beim nach Hause kommen unser Quartier in seltsamem Zustand: Die Strassen sind behelfsmässig abgesperrt, in der Mitte der Kreuzungen stehen brennende Abfallkübel und überall sind Jugendliche dabei die Container mit ihren Böllern abzufackeln. Plötzlich sind wir die einzigen "Erwachsenen" weit und breit. Die Polizei taucht kurz auf (natürlich in Vollmontur) um sich dann unverichteter Dinge wieder zu verziehen. Wir gehen nach Hause und werden die teils sehr lauten Explosionen wohl noch die ganze Nacht durch hören.
Es ist schon öfter aufgefallen, dass die Jungs (meist hat es keine Mädchen auf der Strasse um diese Zeit) ihre ganze eigene Interpretation offizieller Festivitäten haben. Vielleicht ist gerade der 14. Juli eine gute Gelegenheit mit ein bisschen Lärm und Zerstörung auf sich - Frankreichs Söhne und Töchter - aufmerksam zu machen, die wegen ihrem sozial schwachen Hintergrund einer düster bis dunklen Zukunft entgegenblicken...
Jetzt hätte ich doch tatsächlich ein viel billigeres Ticket für das Solidaysopenair im Bois de Boulogne bekommen. Hätte, wenn nicht mein Natel mir diese Nachricht exakt 2 Stunden zu spät übertragen hätte.
Es soll mir in den nächsten 5 Stunden bloss niemand zu nahe kommen!!!
... trotz Freiwilligenarbeit und Bier. Worans wohl liegt?
Es rumpelt und schreit und trompetet sobald man das Fenster öffnet: Es ist Quartierfest. Und obwohl das Kindergeschrei mich heute morgen vom schlafen abgehalten hat, und obwohl die Musik die in voller Lautstärke durchs Quartier hallt Ohrenkrebs verursacht, freue ich mich mit den anderen Quartierbewohnern. Denn heute ist der erste Tag der Postpraktikumsära und daher ist dies auch der letzte Beitrag der Rubrik Praktikanten tun! Juhuuuuuu! (Heute tanze ich sogar zu britney spears!)
Die Zeit rast, die Tickets sind gebucht, der ******** rückt näher. Gleichzeitig scheint die Restpraktikumszeit nicht vergehen zu wollen. Besonders die letzten Tage (noch bis 30. Juni) sind zäh und vergehen nur langsam. Das Arbeitsklima wird immer schlechter, die Leute immer gestresster und müder. Der Spass an der Arbeit (falls es denn so was gibt) hält sich also in Grenzen. Nach einem kleinen (vierstündigen) Eklat de la folle verlässt uns meine Mitpraktikantin bereits heute; verständlicherweise.
ABER: Man ist sicher. Es gibt ein Leben danach!! Und dafür bastle ich Listen mit Dingen die ich machen will/muss. Darunter finden sich Dinge wie:
- Ledertasche kaufen (eine Wochenendverreistasche für wenig Geld, erhältlich bei der Porte Clignancourt)
- Bateaubus fahren
- Rodinmuseum besuchen
- Bankkonto aufloesen
- In Ruhe Kaffee trinken; am Morgen in der Sonne auf einer Terrasse!!!!
- Shopping mit Mitpraktikantin in Belleville
- In Parks rumhaengen und lesen
- Kochen (endlich mal wieder)
- In Ménilmontant essen gehen
- Vélib fahren
- Die Nacht durchtanzen
- Zur Abwechslung mal nicht l. das Geschirr spülen lassen
Falls noch jemand Ideen zur Listenergänzung hat, n’hésitez pas!
(Natuerlich mache ich Blogbeitraege nur noch auf Arbeitszeit :-))
... werden wir jetzt dann gleich sagen. Frisch geduscht gehts auf zur Party in der Botschaft von Brunei. Im Ernst.
[ Uni ]
by k.
@ 06.06.2008 18:01 CET
Hey l., herzliche
Gratulation!
Sind sie nicht goldig?
[ Uni ]
by l.
@ 23.05.2008 18:27 CET
Durch meine (unsere) multikulturelle Nachbarschaft für die Notwendigkeit des Respekts vor anderen Ethnien (natürlich: überhaupt vor Menschen) sensibilisiert, musste ich den folgenden Satz mehrere Male lesen, um ihn zu verdauen. Zuerst vielleicht noch ein bisschen Kontext: Der Satz befindet sich im Skript zu einem Kurs über Alexis de Tocqueville, das uns der Prof zur Prüfungsvorbereitung netterweise zur Verfügung gestellt hat. Die Textstelle befasst sich mit der Gefahr, dass eine Demokratie zu einer Tyrannie der Mehrheit ausarten kann - und da es eine Philosophievorlesung ist geht es im Speziellen um die Gefahr, der die Philosophen ausgesetzt sind (die sich generell ja gerne "volksfern" geben). Aber jetzt der Satz:
"Le penseur minoritaire n'est-il pas (...) le nègre de la pensée?"
Der nicht konforme Denker als Neger des Denkens? Nègre bedeutet zwar auch "Ghostwriter", aber im nächsten Satz wird dann noch von "esclavage" des Denkens gesprochen... Also wirklich! Das Skript nervt mich sowieso schon seit 50 Seiten, also von Anfang an, weil es sogar für französische Verhältnisse unglaublich blumig gehalten ist.
Heute fand in dem tollen kulturellen Dings wo ich arbeite mal wieder eine
Vernissage statt. Wir (also das Team) hatten bereits mehrere Wochen im Voraus gezittert: So schlecht wie das Ganze eingefädelt worden war, konnte es eigentlich nur schief gehen.
Schliesslich haben wir aber alles in letzter Minute hingekriegt (neue, echte Ausstellungsbeleuchtung, neue weisse Wände, neue Deko im salon de thé, echte cimaises um die Bilder aufzuhängen, Übersetzungen der kalligraphierten arabischen Gedichte, eine Doku zum Dichter etc.), während sich die nette Vorgesetzte in die Ferien abgesetzt und nicht einen Gedanken daran verschwendet hatte, dass diese Ausstellung für unser mehrheitlich nicht arabisch sprechendes Publikum vielleicht nicht sehr évident zu verstehen sei.
Dass sie an der Vernissage dann keine Ansprache halten kann, weil sie die Werke erst dann entdeckt und im Beisein ihrer (geschwätzigen) Mutter ausgerechnet mit dem Typen flirtet, der uns bei seinem letzten Anruf erklärt hat, dass er jetzt gerade aus „weissauchnichtwo“ zurückgekehrt ist nachdem er „weissnichtwo“ war, aktuell bei seinen Eltern wohnt und ein Bakterium in der Lunge hat, dass ihm das Sprechen erschwert, illustriert meiner Meinung nach sehr schön ihre diversen Qualitäten.
Dass wir (die beiden Praktikantinnen, die beiden Mitarbeiterinnen, die Frau vom Buffet, der agent d’accueil, l. und eine Freundin der Mitpraktikantin), die wir alle aufbrechen wollten, das auch noch mit ansehen mussten, weil er der letzte Gast war der partout nicht gehen wollte, veranschaulicht die Absurdität der ich jeden Tag ausgesetzt bin.