Diese Woche triffts die andere Praktikantin...
Es wird immer schlimmer mit dem Praktikanten tun. Ich weiss nicht mehr was machen, bin ständig unter Druck, schlafe nicht mehr gut, habe je nachdem auch mal einen Heulkrampf und mein Aktionsradius ist so eingeschrenkt, dass ich heute zum erstenmal seit einer Woche nicht nur meinen Arbeitsweg hin- und zurückgelaufen bin (wohlgemerket, das sind 200m), sondern sogar zum nächstgelegenen Boulvard gegangen bin um Geld abzuheben! Wow! Und das obwohl Paris doch 20 Arrondissments hat. Z-W-A-N-Z-I-G, nicht ein halbes!
Ich habe entweder ein Problem mit Autoritätspersonen, eine generelle Arbeitsallergie oder ich habe einfach den falschen Betrieb erwischt. Oder alles zusammen. Und der Gedanke noch bis Ende Juni dort zu bleiben macht mir Ausschlag und Herzrasen. Auf alle hab ich wohl gerade das, was man landläufig eine Krise nennt. Hoffentlich bringt mich das Konzert von heute abend auf andere Gedanken.
Und ich hab gedacht Paris sei die Stadt der Liebe, gopfertori!
Eure Drohungen überzeugen mich, ich blogge! Zu gross ist die Angst, dass das wirklich ernsthafte Konsequenzen haben könnte (ja, die vom zwischenbericht, dein auf den Tischklopfen fürchte ich besonders fest).
Aber: Wenn ihr mich schon unter Druck setzt (schluchz), dann erwartet bloss nicht, dass die folgenden Zeilen euch interessieren könnten. Es ist hier nämlich grad langweilig (ja auch in Paris ist das möglich!!!). Zwar besuche ich brav Ausstellungen, habe ein mehr oder minder reges Sozialleben und einen wirklich (!!!) nervenaufreibenden und zeitintensiven Job, aber sonst passiert nicht viel.
Eine kleiner Ausschnitt des heutigen Nachmittags muss euch also genügen: Heute hatten wir in unserem Kulturzentrum eine Vernissage einer sehr schönen Ausstellung mit dem klingenden Titel "Le hammam dévoilé". Die beiden Künstler
Pascal Meunier und
Anna Puig Rosado haben mit viel Zeit und Einfühlungsvermögen wunderschöne Porträts von den sehr intimen Badeszenen in unterschiedlichen Hammams rund ums Mittelmeer gemacht, die sie, mit Musik und Annekdoten diverser Hammambesucher angereichert, präsentiert haben. Alles in allem also ein sehr schöner Event....eigentlich.
Bloss ist unser Zentrum so schlecht ausgestattet, dass wir die Photos nicht mal beleuchten konnten, wie es hätte sein müssen, da wir in einer ehemaligen Schule untergebracht sind und sich eine bestimmte Person einen Deut darum schert, sich um das notwendige Equipement zu kümmern. Und das ist erst die Spitze des Eisberges. Wir haben nämlich auch keine Künstlerloge oder gar Duschen, so dass ich die Fotografin kurzerhand mit zu mir nach Hause genommen habe, damit sie sich nach der Montage der Ausstellung zumindest schnell für die Vernissage frisch machen konnte, la pauvre.