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trois-cent-quatrevingt-quatre

Die Convention ist aufgetaucht, sie ist unterschrieben und sie ist unterwegs zu mir, wenn ich dem Telefon der Chefin dieses chaotischen Büros Glauben schenken darf. Und so wies aussieht krieg ich sogar mehr Lohn als M. die zur gleichen Zeit in der Schweiz ein Praktikum macht (was ich ihr, da gerade zu Besuch, natürlich sehr gerne vorhalten tu).
Machen die von der Mairie das nicht sehr geschickt? Zuerst so stark verunsichern dass man sich nachher sogar über einen Lohn von umgerechnet 600.- für 100% Arbeit mit extrem unregelmässigen Arbeitszeiten richtig mega super fest freut. Sie mögen chaotisch sein, aber den psychologischen Dreh haben sie absolut raus. Da könnte sich noch manch ein Pädagoge eine Scheibe abschneiden, meinst du nicht auch Jonas? ("Psychologie quo vadis? Verunsicherungsstrategien für den Lehreralltag" oder so...)
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La mairie

"Limacher? Pour un convention de stage? Pardon, je vous ne trouve pas... vous n'êtes pas enregistré dans mon ordinateur..."

"?????????"

(Und das nachdem mir die Frau vorgestern am Telefon gesagt hat, meine Convention sei unterschrieben und ich dann heute eine Stunde gewartet habe um überhaupt angehört zu werden. Von den vielen unbeantworteten Telefonaten und den mit 'N'inquietez vous pas' beantworteten, der letzten paar Tage will ich gar nicht erst sprechen...)
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Drrrr!

Weihnachten naht, die Erasmusstudenten verziehen sich (wir und die Südamerikaner bleiben) und (tusch!): Ich darf bald praktikanten tun!!! Juhuuu! Natürlich folgt jetzt eine Relativierung à la français: Wenn ich meine convention de stage abgegeben hab, diese wiederum erfolgreich und heil die Mühlsteine der französischen Bürokratie passiert hat und ich mich anschliessend bei der sécurité sociale eingeschrieben habe, DANN darf ich praktikanten tun. Und zwar 5 Monate und zwar 100% und zwar so gut wie unbezahlt. Nichtsdestotrotz ist die Freude gross! Schliesslich haben die Leute von 'meinem' Institut mich als würdige Kandidatin erachtet und der Mairie bzw. dem Bureau des Contrats Aidés, de l'Alternance et des Stages geschrieben, dass sie mich gerne als Parktikantin hätten. Und jetzt bin ich bis auf weiteres nicht ansprechbar, da Drrrrrr!
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Das Verhalten geschlechtsreifer Grossstädter im Dezember

Nach einigen Wochen Isolation - verschuldet durch Metro-Streik und Uni-Blockade - entschlossen k. und ich uns letztes Wochenende einem Intensiv-Resozialisierungsprogramm zu unterziehen. Wir wählten dabei die Form einer frisch fröhlichen Carreise mit andern Ausländern und - um das Sahnehäubchen aufzusetzen - sogar echten Franzosen. Wir waren damit einerseits auf engstem Raum (Car) etwa vier Dutzend Lebewesen unserer Gattung ausgesetzt und andererseits mit einer Sprache konfrontiert, der wir in der letzten Zeit erfolgreich ausgewichen waren: Französisch.

Die Reise an die Loire und ihre Schlösser entpuppte sich als überraschender Tripp in die Vergangenheit. Nun könnte man fragen: "Klar: Schlösser = Mittelalter = Vergangenheit... Was soll daran überraschend sein?" Ich gebe zu, das ist klar. Doch davon will ich gar nicht sprechen. Nein, das Überraschende war vielmehr das Verhalten einiger unserer (mehr oder weniger gleichaltrigen) Mitreisenden, das uns ein bisschen an die ersten Ferienlager unserer anbrechenden Jugend gemahnte. Sprich: Hormone. Überall.
Am "bunten Abend" mit Kuschelrock fanden sich gleich sechs Herzen. Der zweite Tag unserer Reise war dann auch stark durch diese drei Pärchen geprägt - zumindest was Abfahrtszeiten betrifft. Aus unerklärlichen Gründen erschienen diese immer zu spät am vereinbarten Treffpunkt und waren auch sonst kaum zu sehen...
Mir war das glückliche Los beschieden auf der Heimreise hinter jenem neuen Paar zu sitzen, das seine frische Liebe am meisten zelebrierte. Da die beiden Liebestrunkenen ihre Sitzlehnen so weit wie möglich nach hinten stellten, hatte ich während der dreistündigen Heimfahrt eine einwandfreie Sicht auf das Spektakel, das sich vor mir abspielte. Selbst als ich in einem Anflug von Diskretheit (der etwa drei Stunden dauerte) versuchte aus dem Fenster zu schauen, bot sich mir erneut derselbe Anblick dar, da es draussen bereits dunkel war und die Scheibe nunmehr eher die Bezeichnung "Spiegel" verdiente.
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Biblio II

Uiuiui: Die Gruppenarbeit scheint zu einer Paarberatung auszuwachsen...
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In der Biblio

Ich sitze grad in der Biblio (riiiiiiieesiger Raum mit grooooossen Tischen und viiiiiiielen Büchern; für all jene, die sich bildlich vorstellen möchten, was eine Bibliothek hier ist :-) und da hat es also jede Menge fleissige Leute um mich herum. Vis à vis sitzt eine junge Dame, deren schwarzes Knopfpiercing - in der Mitte zwischen Oberlippe und Nase angebracht - mich schon den ganzen Vormittag schwerstens irritiert und vom konzentrierten Arbeiten abhält. Es sieht aus wie ein schwarzes grusiges Etwas und man möchte ihr am liebsten ein Taschentuch zur Beseitigung reichen. Dass sie die ganze Zeit Freud liest und dazu selig lächelt, machts auch nicht besser... Links von ihr sizt ein junger Mann, der alle 5' über seinen Ökonomiebüchern einschläft, zu seiner Rechten sitzt ein weiterer junger Mann, der sich Kopfhörer in die Ohren gestöpselt hat und alle Stunde mal wieder einen Telefonanruf entgegennimmt und sich sehr freundschaftlich nach dem Befinden des Gesprächspartners erkundigt und im Gegenzug selbst gerne erzählt, wo er grad so ist und was er grad so macht. Auf meiner Tischseite sitzt dann noch eine entstehende Gruppenarbeit, deren Qualität ich zu bezweifeln wage, sehen die drei Menschen, die involviert sind doch sehr stark danach aus als würde sie in der Pause eher dem campuseigenen Grashandel fröhnen, als sich nur einen Kaffee zu gönnen. Ja und dann sitz da eben noch ich, die ich einen Text in französischer Sprache verfassen sollte aber lieber sinnlos umenblöggeln tu... eine schöne Truppe, nicht?
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Assemblée générale

Heute Mittag im Amphi C2: Nach und nach treten jede Menge junger Menschen (die sich um alle nur erdenklichen Körperteile Schals in diversen Farbe geschlungen haben) ein, begrüssen sich, lachen, plaudern, erklimmen die Stufen des grossen Vorlesungssaals und suchen sich einen Platz. Die ca. 200 Köpfe verzichten nebst vielen anderen Gründen (wie z.B. Sozialität oder Vorlesungsnotizentausch), sicherlich auch aufgrund eines Minimalmasses an politischem Interesse auf ihre Mittagspause um dem Assemblé générale der Studentenorganisation der Uni Nanterre beizuwohnen. Was sich in der darauffolgenden Stunde in diesem Raum ereignet, ist eine kleine Beschreibung wert: Der junge Mann, welcher selbstbewusst auf dem Rand des Podiums sitzt, ergreift das Mikrofon und erläutert kurz den Ablauf des Zusammentreffens. Zuerst darf ein anderer junger Mann - seines Zeichens angehender Jurist - das Gesetz der Autonomie der Universitäten, welches zurzeit in Planung ist, erläutern und erklären, wieso das böse ist und warum man dagegen kämpfen muss. Der junge Mann wirkt trotz Mikrofon und wirklich recht grossem Publikum sehr eloquent und macht uns auf die „consesquences hyper graves“ des Gesetzes aufmerksam.
Nach tosendem Beifall wird die „Debatte“ eröffnet. In einer bestimmten Reihenfolge haben verschiedene Vertreter unterschiedlicher, hochschulpolitischer Ausrichtungen jeweils 3 Minuten Zeit, ihr Statement abzugeben (Dass mir dabei die Unterschiede entgangen sind, führe ich auf meine mangelnden Sprachkenntnisse zurück. Die werden ja wohl kaum alle das Gleiche gesagt haben, oder?).
Diese drei Minuten aber, die haben es in sich!!!!! Die Redner reden, schreien, fuchteln mit den Händen und schneiden wilde Grimassen. Das Publikum, klatscht, schreit oder buht aber nicht minder fleissig, so dass die Redner allem Anschein nach froh sind, wenn der Moderator ihnen nach drei Minuten das Mik förmlich aus den Händen reisst um es dem nächsten Mutigen zu überreichen.
Irgendwie hat mich das Assemblée générale an das Zitat einer Mitstudentin (ihres Zeichens Urnerin) erinnert, die nach einem Abstimmungswochenende das Wahlverhalten ihres Heimatkantons sehr nonchalant mit folgenden Worten analysiert hat: „Egal was, die Urner sind einfach aus Prinzip dagegen!“





(Es muss noch gesagt werden: dieser Beitrag zielt nicht gegen die Bestrebungen der Studierenden das neue Gesetz zu bekämpfen! Das ist nämli wirklich böse!!)
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on aime bien les voisins

Heute (Sonntag!!) morgen um halb zehn hat doch tatsächlich ein Nachbar oder eine Nachbarin den Boden eines riesigen Zimmers gebohnert (oder etwas sonst hueren lautes gemacht). Ich tendiere dazu die NachbarIN zu beschuldigen, wahrscheinlich wars sogar die mit den beiden Krücken, der ich auf dem Weg zu einem vorfrühstücklichen Spaziergang so nett das Tor aufgehalten habe und dafür ein 'merci' mit stark gerolltem R erhalten hab. Wahrscheinlich hat diesselbe Person nachdem sie uns geweckt hat mit einer Heidenfreude ihre beiden Krücken (die sie sonst NIE braucht) aus dem Abstellschrank geholt und im anderen Hauseingang gewartet bis wir auf dem Hof erschienen sind. Dann hat sie sich von uns überholen lassen und extra lange gebraucht um durch das Tor zu laufen... so eine ist das doch! :-)




Vielleicht bring ich ihr morgen chli Zwetschgekonfi um meine sündige Seele zu reinigen...
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