Postpraktikumsära
Listen
Die Zeit rast, die Tickets sind gebucht, der ******** rückt näher. Gleichzeitig scheint die Restpraktikumszeit nicht vergehen zu wollen. Besonders die letzten Tage (noch bis 30. Juni) sind zäh und vergehen nur langsam. Das Arbeitsklima wird immer schlechter, die Leute immer gestresster und müder. Der Spass an der Arbeit (falls es denn so was gibt) hält sich also in Grenzen. Nach einem kleinen (vierstündigen) Eklat de la folle verlässt uns meine Mitpraktikantin bereits heute; verständlicherweise.
ABER: Man ist sicher. Es gibt ein Leben danach!! Und dafür bastle ich Listen mit Dingen die ich machen will/muss. Darunter finden sich Dinge wie:
- Ledertasche kaufen (eine Wochenendverreistasche für wenig Geld, erhältlich bei der Porte Clignancourt)
- Bateaubus fahren
- Rodinmuseum besuchen
- Bankkonto aufloesen
- In Ruhe Kaffee trinken; am Morgen in der Sonne auf einer Terrasse!!!!
- Shopping mit Mitpraktikantin in Belleville
- In Parks rumhaengen und lesen
- Kochen (endlich mal wieder)
- In Ménilmontant essen gehen
- Vélib fahren
- Die Nacht durchtanzen
- Zur Abwechslung mal nicht l. das Geschirr spülen lassen
(Natuerlich mache ich Blogbeitraege nur noch auf Arbeitszeit :-))
Bonsoir votre excellence...
Also wirklich!
"Le penseur minoritaire n'est-il pas (...) le nègre de la pensée?"
Der nicht konforme Denker als Neger des Denkens? Nègre bedeutet zwar auch "Ghostwriter", aber im nächsten Satz wird dann noch von "esclavage" des Denkens gesprochen... Also wirklich! Das Skript nervt mich sowieso schon seit 50 Seiten, also von Anfang an, weil es sogar für französische Verhältnisse unglaublich blumig gehalten ist.
Bakterium in der Lunge
Schliesslich haben wir aber alles in letzter Minute hingekriegt (neue, echte Ausstellungsbeleuchtung, neue weisse Wände, neue Deko im salon de thé, echte cimaises um die Bilder aufzuhängen, Übersetzungen der kalligraphierten arabischen Gedichte, eine Doku zum Dichter etc.), während sich die nette Vorgesetzte in die Ferien abgesetzt und nicht einen Gedanken daran verschwendet hatte, dass diese Ausstellung für unser mehrheitlich nicht arabisch sprechendes Publikum vielleicht nicht sehr évident zu verstehen sei.
Dass sie an der Vernissage dann keine Ansprache halten kann, weil sie die Werke erst dann entdeckt und im Beisein ihrer (geschwätzigen) Mutter ausgerechnet mit dem Typen flirtet, der uns bei seinem letzten Anruf erklärt hat, dass er jetzt gerade aus „weissauchnichtwo“ zurückgekehrt ist nachdem er „weissnichtwo“ war, aktuell bei seinen Eltern wohnt und ein Bakterium in der Lunge hat, dass ihm das Sprechen erschwert, illustriert meiner Meinung nach sehr schön ihre diversen Qualitäten.
Dass wir (die beiden Praktikantinnen, die beiden Mitarbeiterinnen, die Frau vom Buffet, der agent d’accueil, l. und eine Freundin der Mitpraktikantin), die wir alle aufbrechen wollten, das auch noch mit ansehen mussten, weil er der letzte Gast war der partout nicht gehen wollte, veranschaulicht die Absurdität der ich jeden Tag ausgesetzt bin.

